Radsportferien mit Marcel Wüst
Casa Ciclista nennt der Ex-Profi und Wahl-Mallorquiner Marcel Wüst seine malerische Finca in Cala Murada, im Südosten der Insel. Hier will er für kleine Gruppen Radsportferien abseits der Massenveranstaltungen von Playa de Palma und Playa de Muro organisieren. Er betont, dass nicht nur die Harten in seinen Garten dürfen, sondern auch Einsteiger, Wiedereinsteiger und alle anderen. Im März will er die ersten Gäste begrüßen.Mehr Informationen gibt es auf seiner Homepage.
Marcel Wüst hat 2006 einen netten Beitrag im Buch Mallorca - Insel des Radsports geschrieben:
Mein Mallorca
Von Marcel Wüst
Nicht jeder Rad(renn)fahrer hat die Möglichkeit Mallorca so zu erleben, wie ich es von 1998 bis 2001 konnte. Als Radprofi muss man ja schon ab Dezember kräftig Kilometer sammeln – und wenn man, so wie ich, in Köln wohnt, ist das nicht immer einfach, denn auch im Rheinland haben wir ab und an Winter.Da dieser auf Mallorca meist ausfällt, bezogen meine Familie und ich regelmäßig in der Nähe von Santanyi Quartier. Wir mieteten uns in einer Finca ein, und blieben zwischen zwei und drei Monate in der Sonne. Wenn man nicht im Hotel wohnt, sondern sich quasi „zu Hause“ fühlt, verliert das Leben den Trainingslager-Charakter, und nach einer kurzen Weile fühlt man sich schon wie ein Insulaner.
Da die Aufenthalte gerade zu der Zeit statt fanden, zu der ich die Vuelta Espana eigentlich immer mit zwei bis vier Etappensiegen beendete, sprach es sich bei meinen morgendlichen Besuchen beim Bäcker in Llombards natürlich schnell herum, dass „un buen ciclista“ in der Gegend sei.
Die Integration in die Dorfgemeinschaft ging ganz schnell, und spätestens seit wir mit unserem Sohn Alexander am Abend eines 5. Januar auf die Reyes, die heiligen drei Könige, warteten und mit den Einwohnern ins Gespräch kamen wurde klar, wie viele Menschen im Dorf wussten wer wir waren.
Durch Trainingseinheiten mit den mallorquinischen Profis, vor allem mit Toni Tauler, drehte ich regelmäßig meine Runden, erweiterte sich auch unser Freundeskreis. Zur Party seines Fanclubs wurden wir regelmäßig eingeladen, und auch mit „seinen“ Trainingspartnern verabredete ich mich manchmal, wenn er selber gerade bei irgendwelchen Rennen unterwegs war.
Das man bei einer „Gesamtinselzeit“ von fast einem Jahr innerhalb von 48 Monaten natürlich viel mehr erlebt als in 2 x 2 Wochen Trainingslager ist klar. In Erinnerung ist mir zum Beispiel ein Wintereinbruch, als morgens gut und gerne 10 Zentimeter Schnee lagen - und das am 31. Januar. Die Woche vorher hatte ich schon die Armlinge bei meinen Bergintervallen heruntergestreift. Mit so was muß man auf Mallorca immer rechnen.
Auch zufällige Trainingsbegegnungen mit der Niederländischen Radsportgröße Gert–Jan Theunisse, der inzwischen auf der Insel wohnt, oder auch mit der MTB Weltmeisterin Marga Fullana waren immer eine willkommene Abwechslung.
Eine ganz besondere Trainingseinheit wird mir immer in Erinnerung bleiben: Es standen mal wieder Bergintervalle am San Salvador an, und als ich bei meiner vierten Serie gerade in das Steilstück an der Kapelle einfuhr, überholte mich ein vollbesetztes Auto. Alle darin drehten die Köpfe, und eine Kehre weiter stand das Auto dann am Straßenrand. Die komplette Familie bestehend aus Vater, Mutter, Onkel und zwei Kindern stand am Straßenrand und feuerte mich an: „ Venga Marcel, venga animo, ya estas arriba…“ Dann kam der Wagen mit offenen Fenstern wieder an mir vorbei, und die gleichen Anfeuerungsrufe hallten mir entgegen. Ich hatte inzwischen sogar mallorquinische Fans, die mich oben freundlich darum baten ein paar Autogramme zu schreiben.
Meine verschwitzte Festina Mütze gab ich dem Sohn, die Trinkflasche bekam die Tochter…