Rückenwind aus der Steckdose

kalkhoof_2Den Gegenwind brauchten wir nicht zu bestellen, als wir Ende Januar mit einer Gruppe Journalisten E-Bikes testeten. Mit nicht nachlassender Heftigkeit blies der Südwind und verwandelte das sonst so ruhige Mittelmeer in einen tosenden Ozean. Eine Herausforderung für Radfahrer. Nicht aber für E-Bike-Fahrer.

Die Firma Kalkhoff hatte ihre gesamte Modell-Palette auf die Insel geschafft um Skeptikern zu zeigen: Auch Radfahren mit Motorhilfe hat etwas mit Sport zu tun.

Die Technik ist rätselhaft, der Effekt verblüffend. Wenn man leicht in die Pedalen tritt, nimmt der Motor am Tretlager (bei manchen Modell auch an der Vorderradnabe) seinen Dienst auf und gibt spürbar Vortrieb. Wenn man das nicht zu stark möchte, schaltet man eine Stufe herunter (es gibt drei). Wenn man das gar nicht möchte, schaltet man den Motor einfach ab und bewegt das mit ca. 20 Kilo für diese Kategorie leichte Bike konventionell.

Ein E-Bike ist kein Moped. Treten muss man immer und nicht zu knapp. Und deshalb hat es etwas mit Sport zu tun. Vor allem, wenn der Akku leer ist. So ist unsere Gruppe eines sonnigen Morgens mit heftigstem Rückenwind von unserem Hotel in El Arenal Richtung Llucmayor aufgebrochen. Die Schlauen (wie der Windschattenmann) haben natürlich auf die Unterstützung verzichtet. Die Faulen, die am Vorabend bis vier Uhr die Bar belagerten, setzten auf Plus-Energie.

Nach ausgiebigem Tappagelage in Llucmayor im Restaurant El Galdent (ein echter Tipp, direkt am zentralen Platz) machte sich eine Gruppe von Ambitionierten auf in Richtung Randa, um von dort den Berg zum Kloster Cura zu erklettern. Beeindruckend: Die E-Bikes schoben auch die weniger Sportlichen den Berg rauf. Nicht einfach so, ein bißchen Arbeiten mussten sie schon. Aber es ging. Das sind Steigungen, bei denen der Flachlandgelegenheitsradler ansonsten aussteigt. Respekt vor der Technik. Lärmt nicht, schmutzt nicht, macht Spaß. Und für Alltagsradler, die jeden Tag einen Strecke von 8 und mehr Kilometer zur Arbeit radeln, ist das ein echter Bringer. Auto stehen lassen, Pendlerpauschale kassieren, regelmässige Bewegung und trotzdem nicht verschwitzt auf dem Job erscheinen.

Doch dann der Rückweg. Gegenwind Stärke Zwanzig (gefühlt). Da muss man auch bei Motorunterstützung noch richtet treten. Wenn aber dann, wie bei einigen Kandidaten, der Akku schlapp macht, wird´s hart. Ungefähr 40 Kilometer hält eine Füllung des großen grauen Kastens, der etwas unschön zwischen Sattelrohr und Hinterrad steckt. Dann muss er an die Steckdose.

Das Gejammer war groß. Man hatte sich offenbar schnell an die Räder mit Zusatzpower gewöhnt.

Windschattenmann ist die meiste Zeit das Kalkhoff Top-Modell Pro Connect S 9-G Shimano Deore XT M771. Eine Powermaschine, die sogar ein Mofanummerschild braucht. Lässt sich auch ohne Motor prima fahren. Kostet aber auch 2.700 Euro.

E-Bikes sind, obwohl es sie schon lange gibt, jetzt groß im kommen. Auf Mallorca hat nun der Club Robinson ein paar in der Vermietung. Auch Mallorcas Rad-König Max Hürzeler bietet erstmals ein paar E-Bikes an. Windschattenmann prognostiziert: In ein paar Jahren werden E-Bikes in unserem Stadtbild etwas ganz Normales sein.

Mehr über Kalkhoffs E-Bikes


Ein Kommentar zu “Rückenwind aus der Steckdose”

  1. Mallorca Inselblog schrieb:

    Beginn der Radsaison auf Mallorca…

    Während bei uns in Deutschland überall Schnee liegt und eisige Temperaturen herrschen, beginnt auf der Baleareninsel Mallorca schon die Radsaison. Die Natur der sonnigen Mittelmeerinsel ist bereits aus dem Winterschlaf erwacht, die Mandelbäume blüh…

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